Immer wieder fragt der angehende Autor, was er für ein Manuskript verlangen kann. Welcher Preis ist angemessen?
Die folgenden 20 Punkte werden Ihnen helfen, gute Verträge abzuschließen, die Ihre Vorteile wahren.
INSIDER-INFO 1:
Grundsätzlich besteht in der Bundesrepublik Deutschland Vertragsfreiheit. Das heißt, der Autor kann mit einem Verleger jeden denkbaren Vertrag abschließen oder der Verleger mit einem Autor. Es gibt zunächst einmal keine gesetzlich vorgeschriebenen Verträge, die nur so und nicht anders gestaltet werden dürfen.
Sie können mit anderen Worten jedes gute oder schlechte Geschäft machen, das vorstellbar ist.
INSIDER-INFO 2:
Nichts ist törichter, als am Anfang, als unveröffentlichter Autor, zu hoch zu pokern. Üblicherweise verfügen die Verlage über bestimmte Budgets, die für ein Buch zur Verfügung stehen. Diese Budgets richten sich
- nach der Größe (und also Finanzkraft) des Verlages (je größer und je finanzkräftiger, um so mehr können Sie erwarten),
- nach dem Umfang des Buches (600 Seiten werden besser bezahlt als 200 Seiten);
- nach dem Recherchenaufwand (ein Verlag, der ein Buch wünscht, an dem jahrelang recherchiert werden muß, muß tiefer in die Tasche greifen);
- nach der „Reihe“, in der ein Buch erscheint (für bestimmte Reihen steht in bestimmten Verlagen mehr Geld zur Verfügung als für andere);
- nach der momentanen Finanzpolitik des Hauses.
Da es üblicherweise schwer genug ist, einen Verlag für ein Manuskript zu finden, ist es wie gesagt unklug, die (meist ungeschriebenen) Finanz-Richtlinien eines Verlages zu verletzen und unrealistische Summen zu verlangen.
Aber was ist realistisch?
INSIDER-INFO 3:
Ein kluger Verhandlungspartner geht immer wie folgt vor:
Er lässt die Gegenseite das erste Angebot machen!
Wenn Sie Ihrerseits als erster mit einem Preis und einer Tantiemenvorstellung herausrücken, zeigen Sie Ihre Karten und verspielen vielleicht eine Chance.
Hören Sie also zu, innerhalb welcher Vorstellungen sich das Budget Ihres künftigen Vertragspartners bewegt. In der Folge können Sie die Vorstellungen vielleicht ein wenig nach oben hin korrigieren.
Damit vermeiden Sie, aufgrund unrealistischer Vorstellungen als Nichtprofi abqualifiziert zu werden und vielleicht das ganze Geschäft zu verlieren.
Andererseits liegt das Angebot Ihres künftigen Vertragspartners vielleicht höher als Sie gedacht haben.
Unterbreitet Ihr Vertragspartner als erster sein Angebot, verdienen Sie möglicherweise bares Geld, indem Sie schweigen und nicht als erster den Mund öffnen.
INSIDER-INFO 4:
Wenn Ihr künftiger Vertragspartner nicht als erster ein Angebot unterbreiten will, recherchieren Sie, was in diesem seinem Hause üblich ist. Wie? Fragen Sie andere Autoren.
INSIDER-INFO 5:
Ihr Wert bestimmt sich für Ihren Vertragspartner allein aufgrund einer einzigen Tatsache: Glaubt er, Ihr Buch gut verkaufen zu können oder nicht?
Sie können Ihren Wert steigern, indem Sie ihm beispielsweise einen PR-Schlachtplan unterbreiten, der mit Ihrem Buch einhergehen wird.
Das heißt, überzeugen Sie ihren künftigen Vertragspartner, dass Sie (z. B.) 50 Vorträge pro Jahr über das Thema, das Ihr Buch behandelt, halten werden oder dass sie über Presse-Konnexionen verfügen, die garantieren, dass (z. B.) mindestens 30 Zeitungsartikel über Ihr Buch erscheinen werden.
Machen Sie Ihren Verleger auf Verbände aufmerksam, in denen Sie tätig sind und die Ihr Buch aller Wahrscheinlichkeit nach kaufen werden.
Definieren Sie für Ihren künftigen Vertragspartner genau die Zielgruppen, die mit ihrem Buch angesprochen werden.
Dilettantisch ist es, anzunehmen oder zu behaupten, dass ein Buch „jeder“ lesen könnte. Je genauer Sie die möglichen Zielgruppen definieren, um so professioneller erscheinen Sie. Können sie überdies noch Mittel und Wege aufzeigen, eben diese Zielgruppen zu erreichen, im Idealfall durch Eigeneinsatz, steigt automatisch Ihr Wert.
Jedes „Dokument“, das beweist, dass Ihre Rede nicht hohl ist oder nur Wunschdenken, trägt zur Entscheidungsfreudigkeit ihres Vertragspartners bei. UND erhöht Ihren Wert.
INSIDER-INFO 6:
Trotzdem also „alles“ möglich ist und man keine Pauschalratschläge geben kann, unterscheidet man in der Verlagsbranche zwischen dem Vorschuss und den Tantiemen.
Grundsätzlich gibt es drei Varianten:
A Sie erhalten einen hohen Vorschuss und verzichten auf alle künftigen Tantiemen.
B Sie erhalten keinen Vorschuss und erhalten nur Tantiemen.
C Sie erhalten sowohl einen Vorschuss als auch Tantiemen.
Variante A ist die schlechteste Lösung, jedenfalls, wenn sich das Buch im Nachhinein gut verkauft. Die Tantiemen sind eigentlich die „Würze“ des Geschäftes. Jeder Buchautor und jeder Verleger liebäugelt mit dem Gedanken an einen Bestseller. Begibt man sich aller künftiger Tantiemenrechte, kann man haushoch verlieren.
Variante B ist ebenfalls nicht zu empfehlen, weil der Verleger damit zuviel Risiko auf Ihre Schultern lädt.
Variante C ist die fairste und üblichste Variante und sollte im allgemeinen verfolgt werden.
INSIDER-INFO 7:
Zu der obigen Regel gibt es eine einzige Ausnahme: Wenn Sie absolut sicher sind, dass in der Folge eine unvorstellbare Menge von Büchern verkauft werden wird, verzichten Sie auf einen Vorschuss und pokern Sie auf hohe Tantiemen.
Die Regel gilt: Je bestsellerverdächtiger ein Buch ist, um so hartnäckiger sollten Sie nach hohen Tantiemen Ausschau halten.
INSIDER-INFO 8:
Wenn Sie wissen, dass sich Ihr Buch nur 500 Mal abverkauft, ist der Vorschuss u. U. interessanter.
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