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RATSCHLÄGE VON HERMANN HESSE
 
Was Hermann Hesse junge Autoren lehren kann
 
von Ha. A. Mehler
 
Niemand, wiederholen wir, niemand, war scheinbar so zum Versagen verdammt wie Hermann Hesse.
Hesse hatte ein äußerst problematisches Verhältnis zu seinen Eltern, seinen Vater hasste er geradezu zeitweise – auf der anderen Seite wurden seine Bücher bis heute rund 120 Millionen Mal verkauft.
Die Umgebung, in der er aufwuchs (Calw in Baden-Württemberg, ein Nest im Schwarzwald), bot bestimmt nicht allzu viele Anregungen – und trotzdem wurde ihm später der Nobelpreis für Literatur verliehen.
Hermann Hesse zweifelte ständig an sich selbst, hatte psychische und körperliche Probleme – und erhielt dennoch später zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, so den Gottfried-Keller-Preis, den Goethe-Preis, einen Ehrendoktor, den Wilhelm-Raabe-Preis, den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels undsoweiter undsofort.
Der schmächtige Autor wechselte von einer Anstalt und einer Schule in die andere, grübelte kontinuierlich über den Tod nach – und machte gleichzeitig später die atemberaubendste literarische Karriere, die man sich vorstellen kann.
Wie sind solche Gegensätze zu verstehen?
 
HERMANN HESSES ERFOLGSGEHEIMNISSE
Nun, soviel schon vorab, es gibt wenigstens drei Erfolgsgeheimnisse dieses deutsch-schweizerischen Autors, die es in sich haben und die nach wie vor ihre Gültigkeit besitzen. Bevor wir auf sie zu sprechen kommen, sei jedoch sein Lebensweg zumindest in Stichpunkten nacherzählt, denn auch hier werden wir bereits fündig, was das magische Wörtchen Erfolg angeht – jedenfalls wenn wir Ohren haben um zu hören.
 
HESSES VITA
Immerhin war der Vater Mitarbeiter des „Calwer Verlagsvereins“, später sogar dessen Vorstand und Verlagsleiter – was eigentlich optimale Voraussetzungen sind für ein Kind, das schon früh anfing zu dichten und zu zeichnen.
Zudem hatte Hesse Zugriff auf die Bibliothek seines promovierten Großvaters, so dass er sich als Jüngling bereits Werke der Weltliteratur einverleiben und von ihnen befruchten lassen konnte.
Aber die Zeit der Ausbildung, wir haben bereits darauf hingewiesen, war eine schlichte Katastrophe, Hesse wechselte die Schulen und Anstalten häufiger als Politiker ihre Meinungen, Hesse konnte und mochte sich nicht anpassen.
Also absolvierte er zunächst eine Buchhändlerlehre und fand Vergnügen darin, dass nun zumindest eine gewisse Nähe zu seinen geliebten Autoren, zu Goethe, Lessing und Schiller unter anderen, gegeben war. Er wechselte mehrfach die Buchhandlung, las viele Werke der Romantiker, vor allem Novalis, Brentano, Eichendorff und Tieck, während er heimlich oder jedenfalls unbemerkt anfing, den Griffel zu führen.
Im Jahre 1898 erschien sein erster kleiner Gedichtband „Romantische Lieder“, den er selbst mitfinanzieren half, und im Jahre 1899 „Eine Stunde hinter Mitternacht“, eine Sammlung kleiner Prosastücke.
Beide Werken verkauften sich schlecht, die Gedichte fanden gerade einmal 54 Käufer!
[Der angehende Autor sollte also realisieren, dass selbst die Größten der Großen anfänglich sehr kleine Brötchen gebacken haben!]
Aber Hesse hörte nicht auf zu schreiben. Ein weiteres Büchlein erschien, außerdem nahm der junge Autor jede Gelegenheit wahr, um Gedichte und kleine literarische Texte unterzubringen. Er veröffentlichte in allen möglichen und unmöglichen Zeitschriften, er wusste, eine Leiter führt immer von ganz unten nach oben.
Aber etwas passierte: Aufgrund der vielen kleinen Veröffentlichungen wurde auf einmal ein Riese der Verlagszene auf Hesse aufmerksam: Samuel Fischer, der durch seine Frau auf den jungen Autor hingewiesen worden war. Ein Gott bemerkte einen Menschen!
[Erkennen Sie die Erfolgsformel?
Es ist die Menge an Kommunikation nach allen Seiten hin, die schließlich wichtige Meinungsführer aufmerken lässt, so dass sich urplötzlich, scheinbar aus dem Nichts, Chancen bieten.]
Samuel Fischers Gattin hatte Hesse wie gesagt protegiert – und welcher Mann, selbst wenn es sich um einen Gott handelt, könnte je die Meinung seiner Frau ignorieren!
Hermann Hesse wiederum hatte einfach nicht aufgehört, weiter und weiter zu schreiben und weiter und weiter an kleinen Veröffentlichungen zu arbeiten.
Der Großverleger Fischer erlaubte Hesse jedenfalls, den Roman Peter Camenzind in seinem Verlag zu publizieren.
Das Ergebnis? Peter Camenzind wurde ein Bestseller.
Der Durchbruch war geglückt. Hesse schaute in den Spiegel und erblickte einen berühmten Mann.
 
PETER CAMENZIND
Der Roman (erschienen 1904) traf offenbar den Nagel auf den Kopf, was die Sehnsüchte, Vorstellungen, Enttäuschungen und Realitäten vieler junger Menschen anging.
Bei Peter Camenzind handelt es sich um einen einfachen, armen Bauernsohn, der verschiedene schwere Schicksalsschläge einstecken muss. (Körperliche Züchtigung durch den Vater, Tod der Mutter, Verlust von Freunden, Verlust der großen Liebe, Opposition durch die Umwelt etcetera) – und dessen einziges Ziel trotzdem darin besteht, Dichter zu werden. („Entweder Dichter oder gar nichts!“) Die Liebe zur Natur hilft ihm über vieles hinweg, weiter einige Freundschaften, aber er kämpft auch mit Selbstmordgedanken und dem Teufel Alkohol. Schließlich betätigt er sich als Handwerker und hilft, einen verwüsteten Ort wieder aufzubauen, indem er Geld erbettelt, wodurch er zu großem Ansehen gelangt.
Er beschließt endgültig, ein erfolgreicher Schriftsteller zu werden.
 
Was waren die wirklichen Gründe für den Erfolg des Peter Camenzind?
Nun, Hesse war es gelungen, Emotionen, Emotionen und noch einmal Emotionen zu zaubern. Der Plot war zweitklassig, aber die Gefühle waren authentisch. Die Figur spiegelte Hesses eigene Enttäuschungen, Denkweisen und Realitäten wieder, womit sich wie gesagt speziell das junge Publikum identifizieren konnte.
Kurz gesagt und um es zu wiederholen: Hesse hatte eine wirklichkeitsnahe Figur aufs Papier gezaubert und sie mit Emotionen ausgestattet, die dem Ziel-Publikum real waren.
 
EIN SCHRIFTSTELLER-LEBEN
Der Erfolg des Peter Camenzind erlaubte es Hermann Hesse auf einmal, allein nur von seinen Bucheinnahmen zu leben – der Traum eines jeden jungen Federfuchsers.
Hesse heiratete, zog um und schloss sich einem wandernden Dichter und Naturpropheten namens Gusto Gräser an, lebte eine Weile mit ihm in der Wildnis und lernte von ihm.
Welch herrliches Recherchenmaterial!
Weiter unternahm Hesse einige Reisen, am wichtigsten war seine Indien- Indonesien-Reise, die ihn mit bedeutenden Anregungen für seine Schriften versorgte.
Im Ersten Weltkrieg (1914 – 1918) wurde er aufgrund seiner schlechten körperlichen Verfassung für untauglich erklärt, aber es wurde ihm erlaubt, die deutschen Kriegsgefangenen mit Büchern zu versorgen. Er avancierte außerdem zum Mitherausgeber der „Deutschen Interniertenzeitung“ und zum Herausgeber des „Sonntagsboten für die deutschen Kriegsgefangenen“.
Gleichzeitig publizierte er einige Anti-Kriegs-Artikel und warnte vor dem aufkommenden Nationalismus – woraufhin er sich zu seinem höchsten Erstaunen auf einmal von allen Seiten angegriffen sah. Wieder fand er zu seinem alten Freund Gusto Gräser zurück, einem Kriegsdienstverweigerer, den man für seine Gesinnung einst fast erschossen hatte.  
1919, kurz nach dem Krieg, siedelte Hesse ins schöne Tessin um, dem südlichsten Kanton der Schweiz – und fuhr fort zu schreiben, zu schreiben und zu schreiben.
1920 erschien „Klingsor“ und 1922 „Siddhartha“, Hessens Indien-Roman, der einen neuen Höhepunkt in dem Werk des Schriftstellers darstellte.
 
SIDDHARTHA
Siddhartha (wörtliche Übersetzung des Namens: einer, der sein Ziel erreicht hat), ist unseres Erachtens der gelungenste Roman Hermann Hesses. Höher kann man nicht mehr steigen, besser kann man nicht mehr schreiben!
Der Stil zeugt von höchstem künstlerischem Können, er ist ausgefeilt, voller Techniken, tänzerisch und artistisch - obwohl er sich so glatt und problemlos liest. Der angehende Autor sollte sich den raffinierten Bau der Sätze und die geschickte Auswahl der Vokabeln auf der Zunge zergehen lassen!
Unsere Empfehlung: Unbedingt lesen, ja mehrmals lesen und analysieren, analysieren, analysieren!
Studieren Sie interessehalber einmal nur den Anfang des Siddhartha und beobachten Sie, welche Stilmittel der Autor verwendet:
 
„Im Schatten des Hauses, in der Sonne des Flussufers bei den Booten, im Schatten des Salwaldes, im Schatten des Feigenbaumes wuchs Siddhartha auf, der schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke, zusammen mit Govinda, einem Freunde, dem Brahmanensohn. Sonne bräunte seine lichten Schultern am Flussufer, bei dem Bade, bei den heiligen Waschungen, bei den heiligen Opfern. Schatten floss in seine schwarzen Augen im Mangohain, bei den Knabenspielen, beim Gesang der Mutter, bei den heiligen Opfern, bei den Lehren seines Vaters, des Gelehrten, beim Gespräch der Weisen. Lange schon nahm Siddhartha am Gespräch der Weisen teil, übte sich mit Govinda im Redekampf, übte sich mit Govinda in der Kunst der Betrachtung, im Dienst der Versenkung. Schon verstand er, lautlos das Om zu sprechen.
 
Sie haben die Techniken erkannt?
Nur ein paar dünne Anmerkungen:
 
(1) Allein aufgrund der Auswahl des Vokabulars wird sofort Atmosphäre geschaffen: Salwald, Feigenbaum, Siddhartha, Brahmane, Govinda, Mangohain, Om …das sind alles Begriffe aus dem indischen Raum, die unmittelbar eine ganze Welt aufscheinen lassen.
Die wirkliche Recherchenarbeit, die sich um all diese Begriffe herumrankt, ist dabei äußerst umfangreich.
Es ist vielleicht nicht wichtig, zu wissen, dass der Salbaum etwa 35 m hoch wachsen kann, durchschnittlich 100 Jahre alt wird und sein Stamm hartes Holz besitzt, das unter anderem zum Hausbau in Indien verwendet wird.
Aber es ist wichtig zu wissen, dass der Sage nach die indische Königin Maya ihren Sohn Siddhartha Gautama – den späteren Buddha – unter einem Salbaum gebar.
Warum ist dies wichtig?
Nun, es positioniert natürlich Hesses Siddhartha sofort zu Buddha und setzt ihn mit diesem zumindest in einem Punkt gleich: Buddha war ursprünglich ein Sucher, bevor er zur Erleuchtung gelangte.
Und so könnte man fortfahren und fortfahren, und über jeden der obigen Begriffe allein 20 bis 100 Seiten verfassen.
 
Eine unvorstellbare Recherche ging also diesem Roman voraus!
Da ich persönlich einmal in die zahlreichen Werke Einblick nehmen durfte, die Hermann Hesse als Sekundärliteratur für seinen „Siddhartha“ benutzte, kann ich ein Lied davon singen! Ich weiß also, wie tief sich Hesse in die Recherche hineinkniete, ich weiß, was er leistete. Mit anderen Worten: Hesse las buchstäblich Hunderte von Büchern, bevor er sich an diesen Roman wagte! Außerdem bereiste er Indien, wie wir bereits gehört haben.
 
(2) Weiter ist die Satzstruktur raffiniert. Hören wir noch einmal den ersten Satz:
 
„Im Schatten des Hauses, in der Sonne des Flussufers bei den Booten, im Schatten des Salwaldes, im Schatten des Feigenbaumes wuchs Siddhartha auf, der schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke, zusammen mit Govinda, einem Freunde, dem Brahmanensohn.“
 
Hesse benutzt vier Ortshinweise, bevor er den eigentlich wichtigen Satz, den Hauptsatz, beginnt. Zwei dieser Ortshinweise haben religiöse Nebenbedeutungen oder zumindest assoziativen Wert, denn Buddha wurde wie gesagt der Legende nach unter einem Salbaum geboren, weiter fand er der Legende nach unter einem Feigenbaum Erleuchtung.
 
Danach erst wird Siddhartha gekennzeichnet:
…der schöne Sohn des Brahmanen, der junge Falke …
Als Brahmanen bezeichnete und bezeichnet man in Indien die Priester.
„Siddhartha“ ist der schöne Sohn und der junge Falke.
Der Ausdruck junge Falke verrät bereits etwas über seinen Charakter. Der Ausdruck schöner Sohn verrät etwas sein Aussehen und seine Stellung innerhalb der Familie.
 
Heute spricht man allgemein davon, dass ein Autor seinen „Helden“ gefälligst charakterisieren soll! Nun, hier wird im ersten Satz all dies geleistet: (1) das Aussehen, (2) ein Charakterzug, (3) die Stellung in der Familie und (4) die religiöse Erziehung werden mitgeteilt!
Eine reife Leistung für einen Hauptsatz und zwei kleine Nebensätze!
 
Danach wird Govinda genannt, mit zwei Eigenschaften: er ist Freund und ebenfalls ein Brahmanensohn. Auch er wird also mit ein paar dünnen Pinselstrichen sofort gekennzeichnet.
 
Um es kurz zu machen: Ein einziger Satz, der erste, (1) führt die beiden „Hauptdarsteller“ ein, (2) kennzeichnet die vor Religion schwangere Atmosphäre und (3) legt den Ort fest!
Soweit zum Inhalt, nun zur Form!
 
(3) Graphisch könnte man die Struktur so wiedergeben, wobei dieses Zeichen (-) für einen Nebensatz stehen soll.
 
- - - - /Hauptsatz - - / - -
 
Es handelt sich also um eine vollständige Satzmelodie, in sich höchst sorgfältig komponiert, mit vier Aufschwüngen (= vier Nebensätzen) und vier Abschwüngen. Hierdurch entsteht ein gewisser Rhythmus, ein Satz-Rhythmus, ausgewogen und ausbalanciert. Ein Rhythmus nimmt jedoch einen Leser immer leichter gefangen als ein Nicht-Rhyhtmus, denn eine Wiederholung prägt sich leichter ein und lädt den Leser dazu ein, mitzuschwingen.
 
(4) Im weiteren Text benutzt Hesse die Grammatik weiter, um bestimmte Effekte zu erzielen. Hören wir ihn noch einmal:
 
Sonne bräunte seine lichten Schultern am Flussufer, bei dem Bade, bei den heiligen Waschungen, bei den heiligen Opfern. Schatten floss in seine schwarzen Augen, im Mangohain, bei den Knabenspielen, beim Gesang der Mutter, bei den heiligen Opfern, bei den Lehren seines Vaters, des Gelehrten, beim Gespräch der Weisen.
 
Hesse textet also nicht:
„Seine lichten Schultern bräunte die Sonne“ oder
„In seine schwarzen Augen floss Schatten“, nein er schreibt:
„Sonne bräunte seine lichten Schultern … Schatten floss in seine schwarzen Augen.“
Er stellt also die Grammatik auf den Kopf, indem er die erwartete Stellung von Subjekt und Objekt vertauscht, wodurch sich ein interessanter Effekt ergibt.
Der Effekt? Der Text wirkt getragen, fast heilig, jedenfalls erhaben, er ist, um das mindeste zu sagen, ungewöhnlich.
 
(5) Untersuchen wir interessehalber auch noch rasch den Rest, die Zahlen wurden hinzugefügt:
 
Schatten floss in seine schwarzen Augen (1) im Mangohain, (2) bei den Knabenspielen, (3) beim Gesang der Mutter, (4) bei den heiligen Opfern, (5) bei den Lehren seines Vaters, des Gelehrten, (6) beim Gespräch der Weisen.
 
Hui ist das eine Dichte! Hesse reiht hier nicht weniger als sechs Aktivitäten und/oder Ortschaften/Gegebenheiten aneinander, eine wirkliche Kühnheit. Es gelingt ihm damit, in kürzester Zeit, innerhalb von ein paar Sekunden, eine ganze Welt aufscheinen zu lassen. Siddhartha wird mithin weiter charakterisiert. Die Wortwahl ist spirituell-vornehm, natürlich immer hoch religiös, in nahezu jedem Wort schwingt Weihrauch mit.
 
NETTOERGEBNIS
Und so könnte man fortfahren und fortfahren, könnte jede Silbe, ja jeden Buchstaben auseinandernehmen und vor allem den assoziativen Hintergrund der gewählten Vokabeln untersuchen und käme doch nur zu der Erkenntnis, wie viel Technik und Know-how hier eingeflossen sind. Es handelt sich geradezu um Lyrik, jedenfalls um eine fast musikalische Prosa.
Der Roman ist einzigartig!
 
Wir wollen an dieser Stelle mit der Analyse jedoch einhalten, denn eigentlich kommt es uns mit den vorangegangenen Anmerkungen nur darauf an, auf einen Umstand aufmerksam machen: Hermann Hesse benutzte ein beträchtliches schriftstellerisches Know-how!
Der beginnende Autor ist also gut beraten, wenn er sich mit den einzelnen Teilen dieses Know-hows auseinandersetzt und es selbst beobachtet.
Der Weg, der in die richtige Richtung führt, lautet: Lesen, lesen, lesen Sie – und stellen Sie sich stets die Frage, warum Sie weiterlesen, warum etwas so spannend oder perfekt oder gekonnt ist und wie der Autor bestimmte Effekte schafft.
 
[Der Autor, der in den Rang eines Profis aufsteigen will, liest nie wie hypnotisiert, sondern er nimmt Bestseller-Autoren auseinander, seziert sie, ergründet ihre Methoden, Tricks und Techniken – und wendet diese in der Folge umgehend selbst an!
Das heisst, er fragt sich nicht, ob ihm etwas gefällt oder nicht – das ist die Weltsicht des Dilettanten.
Er fragt sich, wie etwas gemacht und konstruiert ist – das ist die Frage des Profis.]
 
Wenden wir uns nun wieder der Biographie unseres geliebten Hermann Hesse zu und forschen wir weiter!
 
NOCH EINMAL: SIDDHARTHA
Mit seinem Siddhartha traf Hesse jedenfalls erneut in die Zwölf.
Wir wollen auf die Beschreibung des rauschenden Erfolges verzichten, ebenfalls auf die weitere Inhaltsangabe. Der Roman war perfekt konstruiert, der Plot oder Plan einzigartig und nicht mehr zu vergleichen mit dem Plot des Peter Camenzind. Hesse tauchte in diesem Roman so tief in die Geisteswelt Indiens ein, wie das keinem europäischen Autor je zuvor gelungen war; tatsächlich ließ Indien Hesse nie wieder los.
Glaubte Hermann Hesse selbst an die Reinkarnation? Glaubte er, dass wir nicht nur einmal leben, sondern viele viele Male?
Wer könnte hierauf eine seriöse Antwort geben!
Fest steht, Hesse war vernarrt und verliebt in den Buddhismus und Hinduismus, indische Ideen fesselten ihn mehr als alles andere.
Es gelang ihm, diese Ideen so spannend wie kein anderer Autor in seinem Werk
aufleuchten zu lassen.
 
Auch Siddhartha war wie schon Peter Camenzind im Grunde genommen Hermann Hesse selbst, zu einem gewissen Teil zumindest.
Hermann Hesse gab zu, dass er, wie auch Siddhartha, im Grunde genommen ständig der Wahrheit hinterherjagte. Hesse/Siddhartha war ein Sucher, vielleicht sogar der Prototyp eines Suchers – ein Grund, warum sich so viele Menschen mit ihm identifizieren konnten; denn wer von uns befindet sich schon im Besitz der allein seligmachenden Wahrheit?
 
HESSE UND KEIN ENDE
Wir wollen weiter darauf verzichten, den äusseren Lebensweg Hesses detailliert zu beschreiben, seine verschiedenen Enttäuschungen in Sachen Liebe, seine Umzüge oder seine Bekanntschaften. Er pflegte Kontakte mit zahlreichen Schriftstellern, aber er liebte auch Musiker und führte eine umfangreiche Korrespondenz; Hesse erhielt während seines Lebens rund 35.000 Briefe, wie man später ermittelte, man muss es sich vorstellen! 
Als sich die Nazis in Deutschland breitmachten, warnte Hesse vor ihnen und schlug sich auf die Seite der Juden und Verfolgten.
 
„Der Steppenwolf“, der im Jahre 1927 erschien, bildete einen neuen Höhepunkt in der Karriere des Autors, der längst Weltruf erlangt hatte. Die spätere Hippie-Bewegung in den USA sah in dem Werk ihre Bibel. Hesse reflektierte hierin wieder über Wahrheit, denn der Protagonist, Harry Haller (der Hermann Hesse erneut symbolisiert und repräsentiert, man beachte die gleichen Anfangsbuchstaben!), versucht verzweifelt, zwischen der spießbürgerlichen Welt und dem Revoluzzer und Rebellen in sich einen Kompromiss zu finden, was nie gelingt. Hesse war also immer noch auf der Suche nach sich selbst.
Aber als die Nazibande die Macht ergriff, war es vorübergehend um den Autor Hesse geschehen: Keine deutsche Zeitung wagte es mehr, Artikel von Hermann Hesse zu veröffentlichen. Der Autor war eine Weile persona non grata, seine Bücher wurden nur noch heimlich, gewissermaßen unter dem Ladentisch, verkauft.
Hesse suchte Zuflucht in seiner Arbeit und schrieb sein „Glasperlenspiel“, das 1943 in der Schweiz gedruckt wurde.
Als der grausige Nazi-Spuk endlich vorbei war, rühmte man natürlich Hesse allenthalben für seine Weitsicht und seine Standfestigkeit.
Menschen, so erfuhr Hermann Hesse mit einigem Erstaunen, können sehr rasch ihre Meinung ändern …
 
In den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts brach erneut ein Hesse-Boom aus, diesseits und jenseits des Atlantiks. Man erinnerte sich an die Werte, die er hoch gehalten hatte und verneigte sich vor ihm bis auf den Boden.
Aber selbst das 21. Jahrhundert entdeckte Hesse wieder neu. Und im Jahre 2009 zählte er immer noch zu den drei beliebtesten Autoren Deutschlands!
Nun konnte es niemand mehr leugnen:
Hermann Hesse war in den Olymp der Unsterblichen aufgestiegen.
 
DIE DREI ERFOLGS-GEHEIMNISSE DES HERMANN HESSE
Schon aus einer bloßen, unschuldigen Biographie kann man also viel lernen. Aber noch mehr lernt man, wenn man versucht, zu abstrahieren und die tieferen Gründe für den rauschenden Erfolg Hesses auszumachen.
Alsdann! Beginnen wir mit dem…
 
Erfolgsgeheimnis No. 3: Zunächst fällt auf, dass Hermann Hesse natürlich durch und durch Ästhet war. Er beschäftigte sich mit der Malerei, ließ sich hierin sogar zeitweilig unterrichten, liebte die Musik über alles und selbstredend die Literatur. Hesse beherrschte zahlreiche schriftstellerische Finessen, wenn es um die Rhythmik ging, den Klang der Sprache und das einzelne Wort – wir haben ansatzweise bereits darauf hingewiesen.
Wie Thomas Mann kramte und suchte er manchmal wochenlang nach einem einzigen „richtigen“, das heisst passendem Wort! Er schrieb lange Abhandlungen darüber, wie abgegriffen der Begriff „Klassik“ zum Beispiel sei, der längst einer Inflation unterliege und sprach sich dafür aus, Verantwortung gegenüber dem einzelnen Wort an den Tag zu legen!
Wer hätte je hierüber reflektiert!
Wie kein anderer Autor vor oder nach ihm kannte er das Assoziationsfeld eines Wortes, wie man das nennen könnte, sprich nicht nur den Hintergrund und die Herkunft eines Begriffes, sondern auch die klanglichen und unausgesprochenen ästhetischen Wellenlängen, die mit einem Wort mitschwingen.
Keiner empfand eine solche Hochachtung vor dem einzelnen Wort wie Hermann Hesse, und niemand ging so sorgsam und bedachtsam mit dem Wort um wie dieser Autor.
 
Noch einmal:Hesse war Ästhet durch und durch. Sein scheinbar einfacher Stil bewegte sich fast immer auf zwei Ebenen, wie man das je und je bei Weltklasse- Autoren beobachten kann: Es existierte eine oberflächliche, unterhaltende Ebene – und eine tiefe, nachdenkliche, reflektierende, hochgeistige Ebene.
[Der angehenden Autor kann also dies lernen:
Beschäftigen Sie sich mit Musik und Malerei, mit Kunst und Kultur – es wird einen positiven Einfluss auch auf Ihre Fähigkeit, Worte aneinanderzukleistern, ausüben. Lernen Sie darüber hinaus jede Schriftsteller-Technik unter der Sonne, derer Sie habhaft werden können.]
Aber worin besteht Hermann Hesses nächstes Geheimnis?
 
Erfolgsgeheimnis No. 2
Fahren wir fort! Unseres Erachtens gibt es kaum einen Autor, der so schonungslos ehrlich war wie Hermann Hesse. Während andere alles unternahmen, um „gut dazustehen“ und die Kunst der Verstellung und der großen Show erlernten, bekannte sich Hesse völlig offen zu seinen Fehlern und kehrte nichts unter den Teppich. Im Grunde genommen gab er zu, über die letzten Fragen nichts zu wissen – was immer ehrlicher ist, als vorzuspiegeln, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben.
Damit einher ging eine enorme Integrität in verschiedenen anderen Belangen.
Er verriet seine Gesinnung nie, selbst wenn es ihm Nachteile eintrug, wie während der Nazizeit.
Man muss diesen Hermann Hesse einfach lieben, aufrichtig lieben, weil er so bescheiden und zerbrechlich und gleichzeitig so ungeheuerlich stark und ehrlich war.
Seine unendliche Liebe zur Wahrheit und seine Suche nach Wahrheit ging damit Hand in Hand.
[Wir lernen: Wahre Integrität ist einer der größten Aktivposten eines Autors, ja sie ist das eigentliche Merkmal großer Geister.]
Aber was ist sein letztes und größtes Geheimnis?
 
Erfolgsgeheimnis No. 1
Das größte Geheimnis dieses Weltbestseller-Autors ist unseres Erachtens der Umstand, dass er für die „ewigen Werte“ focht.
Hermann Hesse sprach sich für den Frieden aus – und bekämpfte den Krieg.
Er brach eine Lanze für die Freiheit – und wandte sich gegen die Nazis und die Diktatur.
Er betonte die Macht des Individuums – und lehnte jeden Herdentrieb ab.
Er bestand darauf, dass es stets nur eine individuelle Wahrheit gibt – und kämpfte gegen –ismen und Gedankengebäude, in denen alles vorgekaut wird.
Stets betonte er die spirituelle Seite des Menschen – weltlicher Besitz war ihm gleichgültig, ja er war ihm regelrecht suspekt.
Er betonte mehr noch als die Liebe den Wert der Freundschaft – und war jeglichen Streitereien gegenüber abgeneigt.
[Wir lernen: Der Einsatz für die „ewigen Werte“ zeichnet fast alle großen Autoren aus.]
 
Und damit haben wir Hermann Hesse zumindest ein winziges Bisschen verstanden. Dieser große Autor, der uns persönlich die Jugend versüßte und zum Nachdenken anregte, der uns die ewigen Werte nahebrachte und in seiner Wahrheitsliebe Vorbild war, wird unvergessen bleiben.
Denn was wären wir ohne unsere Autoren und Poeten, Männer und Frauen der Feder, Novellisten und Essayisten, Stückeschreiber, Schriftsteller und Dichter?
 
                                                          ***
 
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