Top-Secret: Wie Bestseller-Listen manipuliert werden
Auf welche Weise Bestseller-Listen wirklich entstehen
von Ha. A. Mehler
Scheinbar spiegeln Bestseller-Listen sehr objektiv die Kaufwünsche des Publikums wieder. Eine gewisse Anzahl von „repräsentativen Buchhandlungen“ wird offenbar Woche für Woche befragt, um eben diese Objektivität zu gewährleisten.
Recherchiert man jedoch nach, so stellt man manchmal fest, dass die Besitzer dieser Buchhandlungen mit dem Herausgeber einer Bestseller-Liste in einem „sehr engen Verhältnis“ stehen, um es zurückhaltend auszudrücken.
Aber selbst von diesem Umstand abgesehen sind Bestseller-Listen mit Vorsicht zu genießen!
Es gibt wenigstens fünf Gründe, warum man jeder Bestseller-Liste mißtrauen sollte:
1. Bestseller-Listen widersprechen sich. Also muss es logischerweise Fehler bei den „objektiven“ Umfragen geben. Oder Manipulationen?
2. Die meisten Bestseller-Listen ignorieren weitgehend Kinderbücher, Lexika, religiöse Bücher und etwa Bücher mit dem Titel
„Die Gesangsfibel“.
Solche Titel passen scheinbar nicht ins Bild, und also werden solche Bestseller einfach unter den Teppich gekehrt.
3. Selbstredend gibt es je und je Absprachen hinter den Kulissen, was Bestseller angeht! Haben Sie es nicht schon immer geahnt?
Das Spiel sieht so aus:
Ein Verleger hat optimistisch z. B. 200,000 Exemplare eines „bestsellerverdächtigen“ Buches drucken lassen, das den Titel trägt „In zwei Tagen Millionär.“
Das Buch liegt in seinem Warenlager jedoch wie Blei und verkauft sich nicht. Um keinen Totalverlust zu riskieren, kommt unser Verleger mit dem Herausgeber einer Bestseller-Liste überein, das Buch „In zwei Tagen Millionär“ in die Bestseller-Liste zu heben, obwohl es nicht stimmt; aber unser Verleger weiß, dass sich allein auf Grund der Tatsache, dass ein Buch als „Bestseller“ bezeichnet wird, ein Rückkoppelungs-Effekt eintritt. Sprich das Buch wird jetzt allein aus Neugierde gekauft, weil es „alle“ offenbar kaufen. „In zwei Tagen Millionär“ verkauft sich in der Folge tatsächlich wie rasend. Der Grund: eine Bestseller-Liste wurde manipuliert.
4. Auch ein Autor kann eine Bestseller-Listen manipulieren. Hier ein authentisches Beispiel, das so und nicht anders über die Bühne gegangen ist (und wohl immer noch praktiziert wird):
Eine bekannte Wirtschafts-Zeitschrift veröffentlicht regelmäßig „Wirtschafts-Bestseller“. Nun verfasst ein höchst erfolgreicher Unternehmer ein Buch mit dem Titel „Power im Verkauf“. Um sein Buch (das natürlich ein Ghostwriter für ihn geschrieben hat) in diese Wirtschafts-Bestseller-Liste zu heben, kauft unser Unternehmer selbst 20,000 Exemplare…
Erneut wurde also eine „Bestseller-Liste“ manipuliert.
5. Weiter ist es auffallend, dass bestimmte Bestseller-Listen just die Bücher jener Autoren aufführen, die ihrem eigenen Weltbild nahestehen oder mit dem Verlag, der die Bestseller-Liste herausgibt, auf die eine oder andere Weise liiert ist.
Beispiel: Die New York Times-Bestseller-Liste.
Sie finden in dieser Liste auffälligerweise häufig jene Autoren, die auch für die New York-Times, die Zeitung also, arbeiten. Wenn das nicht verräterisch ist! Der Verlag benutzt also seine Medienpower, um auch in anderen Feldern wildern zu gehen und sich (beziehungsweise seine Autoren oder Journalisten) im Buch-Business als Hirsch im Gehege zu positionieren.
Ein weiteres Beispiel: Die Spiegel-Bestseller-Liste.
Seltsamerweise finden Sie in der Spiegel-Bestseller-Liste des öfteren genau die Autoren, die gleichzeitig für den Spiegel schreiben oder zumindest der „Philosophie“, sprich der linkslastigen Weltsicht des Blattes, gerecht werden oder ihr nahestehen. Dummerweise finden Sie diese Autoren nicht auf anderen Bestseller-Listen, wodurch sich die Spiegel-Bestseller-Liste natürlich selbst disqualifiziert.
Man ist also gut beraten, das Wort „Bestseller“ nicht für bare Münze zu nehmen und um den Umstand zu wissen, dass es sich hierbei um eine Hurenvokabel handelt, der sich jeder nach Lust und Laune bedienen kann, der über genügend Geld oder Medienpower verfügt.
Verlieren Sie deshalb im guten Sinne ein wenig Respekt vor dem Begriff „Bestseller“ und verzichten Sie nie darauf, Ihren eigenen Verstand zu gebrauchen, wenn Sie ein Buch bewerten: Wenn es abseits aller gängigen „Bestseller-Listen“ dennoch glänzend geschrieben, hochunterhaltsam und erstklassig recherchiert ist, verneigen Sie sich.
Aber wenn es sich um ein jämmerliches, drittklassiges Buch handelt, das nur etwa eine gerade moderne, weinerliche, pessimistische Weltsicht widerspiegelt oder einfach nichts taugt und mies komponiert ist, verzichten Sie nicht darauf, es in den Papierkorb zu werfen.
Lassen Sie sich nicht für dumm verkaufen, nur weil ein Buch zufällig auf einer der „Bestseller-Listen“ erscheint.
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